Warum Island so viele Wasserfälle hat
Island hat mehr als 10.000 Wasserfälle — das direkte Ergebnis von drei geologischen Kräften, die sich weltweit einzigartig verbinden. Vulkanismus schafft senkrechte Basaltwände, die perfekt für Wasserfälle sind (die sechseckigen Säulen von Svartifoss und Aldeyjarfoss sind die eindrucksvollsten Beispiele). Das Eis der großen Gletscher speist schnelle Flüsse, die zum Meer strömen, und wo das Gelände abrupt abfällt, stürzt das Wasser in die Tiefe. Die Tektonik — die Insel liegt auf der Grenze zwischen zwei Platten, die sich jedes Jahr um 2,5 cm voneinander entfernen — schafft Schluchten und abrupte Höhenunterschiede, die Wasserfälle seit Jahrtausenden überwinden.
Südküste: die Klassiker, die ihren Ruf verdienen
- Seljalandsfoss (60 m) — der einzige isländische Wasserfall, den man umrunden kann, indem man hinter dem Wasserschleier hindurchgeht. Nehmt eine wasserdichte Jacke mit. Im Winter kann der Weg wegen Eis geschlossen sein.
- Gljúfrabúi — verborgen in einer Schlucht, 500 m von Seljalandsfoss entfernt, nur erreichbar, indem man sich durch einen Felsspalt zwängt. Fast niemand findet ihn. Jede Mühe wert.
- Skógafoss (60 m x 25 m) — erzeugt fast immer einen morgendlichen Regenbogen. Die 527 Stufen daneben führen zum Fimmvörðuháls-Weg. Kommt vor 8:00 Uhr oder nach 18:00 Uhr, um Menschenmengen zu vermeiden.
- Kvernufoss — der vergessene Zwilling von Skógafoss: gleiche geologische Formation, gleiche Höhe, keine Touristen. Weg vom Campingplatz in Skógar, 20 Minuten. Einer der interessantesten Fotospots der Südküste.
- Gullfoss — zweistufiger Fall (32 m), 70 m tiefe Schlucht. Im Frühjahr verdoppelt sich der Durchfluss durch das Schmelzwasser. Die untere Aussichtsplattform ist nass, liegt aber am nächsten am Wasser.
Nordosten: ungefilterte Kraft
- Dettifoss — Europas mächtigster: 44 m hoch, 100 m breit, ~500 m³/Sek. Graubraunes Wasser durch Gletschersedimente. Keine Absperrungen, keine Vermittlung. Das Ostufer (F862) bietet den besten Blick, nur wenige Meter vom Rand entfernt.
- Selfoss — 1 km flussaufwärts von Dettifoss, 10 m hoch, fast menschenleer. Die zusätzlichen 20 Minuten Fußweg lohnen sich.
- Goðafoss — 30 m breit, 12 m hoch. Im Jahr 1000 n. Chr. warf der Priester Þorgeir die Figuren der alten nordischen Götter hinein, nachdem das Christentum angenommen worden war. In zwei Minuten vom Parkplatz erreichbar.
- Aldeyjarfoss — Basaltsäulen, die zu den regelmäßigsten und geometrisch vollkommensten Islands gehören. Erfordert die F26 und ein 4×4, nur im Sommer geöffnet. Die Abgeschiedenheit gehört zum Reiz.
Westen: die Anomalien, die sich jeder Logik widersetzen
- Hraunfossar (Lavawasserfälle) — Islands überraschendste Anomalie: Das Wasser stürzt nicht von einer Klippe, sondern tritt direkt aus dem Vulkangestein hervor — und zwar über 900 Meter. Hunderte Rinnsale sickern durch das Lavafeld Hallmundarhraun und gleiten in den Fluss Hvítá. 200 m entfernt: Barnafoss, völlig anders — schnell und stürmisch.
- Glymur (198 m) — der höchste leicht zugängliche Wasserfall Islands. 3–4-stündige Wanderung mit Flussüberquerung auf einem Baumstamm. Die sattgrüne Schlucht mit an den Wänden nistenden Eissturmvögeln zählt zu den unvergesslichsten Szenerien der Insel. Geöffnet von Mai bis Oktober.
Westfjorde: Dynjandi und die sieben Schwestern
Dynjandi (der Donnernde) ist der symbolträchtige Wasserfall der Westfjorde — und vielleicht der malerischste der Insel. Er stürzt 100 m frei in einer dreieckigen Form herab, die sich von 30 m am oberen Ende auf 60 m an der Basis verbreitert. Bevor man ihn erreicht, passiert man sieben kleinere Wasserfälle mit eigenen Namen. Der Kontrast zwischen der Stille des abgelegenen Fjords und der Kraft des Wassers lässt sich kaum beschreiben. Er erfordert, in den Vestfjörðir zu sein — ein bedeutender Umweg — doch wer ihn sieht, betrachtet ihn selten als Fehler.
Highlands: für alle, die über die Ring Road hinausgehen
- Háifoss (122 m) — Islands vierthöchster Wasserfall, in einer Schlucht aus rötlichem Gestein. Daneben stürzt Granni parallel hinab. Über F225 mit 4×4.
- Gjáin — kein einzelner Wasserfall, sondern eine Reihe kleiner Kaskaden zwischen Lava und leuchtend grünem Moos. Abseits der üblichen Touristenkarten, fast immer menschenleer. Die Szenerie wirkt wie aus einer nordischen Erzählung.
Planung: Cluster nach Gebiet, nicht nach Bekanntheit
Der häufigste Fehler ist, eine Liste der berühmtesten Wasserfälle zusammenzustellen und sie alle auf derselben Reise sehen zu wollen. Das Ergebnis ist ein Tag voller Parkplätze und 20-Minuten-Stopps. Der Ansatz, der funktioniert: ein geografisches Gebiet wählen, 2–3 Wasserfälle in derselben Gegend bestimmen, mindestens einen weniger bekannten einplanen und echte Zeit zum Verweilen lassen.
- Südküste: Seljalandsfoss + Gljúfrabúi + Skógafoss + Kvernufoss — alles innerhalb von 10 km
- Golden Circle: Gullfoss + Bruarfoss (20 km entfernt, elektrisch blaues Wasser, fast unbekannt)
- Norden: Goðafoss + Dettifoss + Selfoss + Aldeyjarfoss (Aldeyjarfoss erfordert einen eigenen Tag)
- Westen: Hraunfossar + Barnafoss + Glymur — Ausgangspunkt Borgarnes, ganztägig
- Westfjorde: Dynjandi als einzelnes Ziel, nicht mit anderem kombinierbar
Jahreszeiten: Die Wasserfälle verändern sich radikal
- Frühling (April–Mai): höchster Wasserdurchfluss durch Gletscherschmelze. Gullfoss und Dettifoss führen doppelt so viel Wasser wie im Sommer. Wege in hohen Lagen können verschneit sein.
- Sommer (Juni–August): alle Wasserfälle zugänglich, auch jene im Hochland. An den Klassikern herrscht der größte Andrang. Mitternachtssonne für dramatisches Licht spät am Abend.
- Herbst (September–Oktober): geringerer Durchfluss, explosive Tundrafarben, weniger Menschen. Die Tage werden kürzer — sorgfältig planen.
- Winter (November–März): spektakuläre, teilweise gefrorene Wasserfälle, Hochland geschlossen. Seljalandsfoss und Skógafoss zugänglich (der Weg hinter dem Wasserfall kann wegen Eis schließen).
Fotografie: Seide oder Eis — den Effekt wählen
- Seideneffekt (Wasser wie Nebel): Stativ + ND-Filter mit 6–10 Stops + Belichtungszeit 2–30 Sek. + ISO 100 + f/8–f/11. Tagsüber ist es ohne ND-Filter unmöglich.
- Bewegung einfrieren (sichtbare Tropfen): 1/500–1/2000 Sek. + ISO 400–800. Am besten bei sehr kraftvollen Wasserfällen wie Dettifoss.
- Immer Vordergrund: Felsen, Moos, Eis im Vordergrund. Ein Wasserfall ohne Kontext ist nur eine Wasserwand.
- Objektivtuch: Der Sprühnebel von Gullfoss, Skógafoss und Dettifoss durchnässt das Objektiv in weniger als einer Minute. Nehmt mehrere trockene Tücher in einer wasserdichten Tasche mit.
Sicherheit: Moos ist genauso tückisch wie Wellen
- Schuhe mit rutschfester Sohle: Nasses Moos gehört zu den rutschigsten Oberflächen überhaupt. Die meisten Verletzungen entstehen durch Ausrutschen auf moosbewachsenen Felsen — nicht durch den Wasserfall selbst.
- Nicht über Zäune steigen: In Island stehen sie aus konkreten Gründen — instabiler Untergrund, brüchige Kanten, unsichtbare Gefahren. Der Rand von Dettifoss ist besonders unregelmäßig.
- Wasserdichte Jacke: nicht optional. Der Sprühnebel der mächtigsten Wasserfälle durchnässt euch in wenigen Minuten.
- Wasserdichter Beutel für die Kamera: Schützt die Ausrüstung, bevor ihr euch nähert, nicht danach.
Plane deine Route zu den Wasserfällen
- Sehenswürdigkeiten entdeckenNach Wasserfallkategorie und Region filtern — sofort sehen, welche im selben Gebiet erreichbar sind
- KarteWasserfälle nach geografischen Clustern gruppieren — unnötige logistische Umwege vermeiden
- Route erstellenEinen maßgeschneiderten Plan mit Natur-/Fotografieinteressen und nachhaltigem Tempo erstellen
- StraßenstatusStraßenzustand in Echtzeit — unverzichtbar vor Fahrten auf F-Roads zu Aldeyjarfoss und Háifoss
- UnterkünfteUnterkünfte nahe den Clustern: Südküste, Norden, Borgarnes für den Westen
- Essen & TrinkenStopps zwischen den Wasserfällen — logistische Lücken in abgelegenen Gebieten vermeiden
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