Island: Der Reiseführer zur Insel aus Feuer und Eis

Vulkanische Geologie, Nordlichter, sieben Regionen entlang der Ringstraße: alles, was du wissen musst, um eine unvergessliche Reise nach Island zu planen.

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Island: Der Reiseführer zur Insel aus Feuer und Eis

Ein Land, geboren aus Feuer und Eis

Island ist eine der jüngsten und geologisch aktivsten Regionen der Erde. Die Insel liegt im Nordatlantik, genau an der Grenze zwischen der Nordamerikanischen und der Eurasischen Platte, und erhebt sich über einem geothermischen Hotspot, der sie vor 16–18 Millionen Jahren entstehen ließ und bis heute formt.

Das Ergebnis ist eine Landschaft ohnegleichen: rund 200 aktive Vulkane, geothermische Quellen überall, gewaltige Gletscher — darunter der Vatnajökull, Europas größte Eiskappe — sowie ein Wechselspiel aus schwarzen Lavawüsten, spektakulären Wasserfällen und dunklen Sandstränden. Seit 1500 ist etwa ein Drittel der gesamten auf der Erde eruptierten Lavamenge aus isländischen Vulkanen ausgetreten.

Mit einer Fläche von 103.000 km² und nur 395.000 Einwohnern — 35 % davon in der Hauptstadt Reykjavík — bietet Island eine Dichte an unberührter Natur und offenen Weiten, die nur wenige Länder der Welt erreichen.

Die sieben Regionen

Südwesten: Reykjavík und Umgebung

Reykjavík ist die nördlichste Hauptstadt der Welt und für fast alle Besucher der natürliche Ausgangspunkt. Kompakt, lebendig und kulturell reich, verdient die Stadt mindestens zwei Tage: die Kirche Hallgrímskirkja, das Museum der Wikingersagas, der alte Hafen und die Tradition des rúntur — die Wochenendtour durch die Lokale — reichen allein aus, um den Aufenthalt zu füllen. Nicht weit entfernt erstreckt sich die Halbinsel Reykjanes, ein Gebiet mit intensiver jüngerer Vulkanaktivität, mondartigen Landschaften und den geothermischen Becken der Blue Lagoon.

Der Goldene Kreis

  • Þingvellir: UNESCO-Welterbe, an dem sich die Trennung der beiden tektonischen Platten unmittelbar erkennen lässt. Hier tagte das Alþing, das erste demokratische Parlament der Geschichte (930 n. Chr.).
  • Geysir: das Geothermalgebiet, das allen Geysiren der Welt seinen Namen gab. Strokkur bricht alle 5–10 Minuten aus und schleudert kochendes Wasser bis zu 40 Meter hoch.
  • Gullfoss: ein doppelter Fall in die Schlucht des Flusses Hvítá, von überwältigender Kraft — besonders im Frühjahr mit dem Schmelzwasser.

Südküste

  • Seljalandsfoss: der einzige isländische Wasserfall, den man auf einem Weg hinter dem Wasserschleier umrunden kann. Nimm eine wasserdichte Jacke mit.
  • Skógafoss: eine 60 Meter hohe senkrechte Wasserwand, oft von Regenbögen umgeben.
  • Reynisfjara: der schwarze Basaltstrand mit Felssäulen und unberechenbaren Wellen. Drehe dem Ozean niemals den Rücken zu.
  • Sólheimajökull: eine Gletscherzunge, die in zehn Minuten zu Fuß erreichbar ist und sich ideal für Gletscherwanderungen eignet.

Südosten: das Reich der Gletscher

  • Skaftafell: ein Netz von Wegen zwischen Gletscherzungen, Basaltschluchten (Svartifoss) und Birkenwäldern.
  • Jökulsárlón: die Gletscherlagune, in der sich Eisberge vom Gletscher lösen und dem Meer entgegentreiben. Der Sonnenuntergang hier gehört zu den eindrucksvollsten visuellen Erlebnissen der Insel.
  • Diamond Beach: Fragmente von Eisbergen lagern sich wie von der Sonne beleuchtete Kristallskulpturen auf dem schwarzen Sand ab.

Ostfjorde

Die am wenigsten besuchte Region der Hauptroute — und vielleicht die ursprünglichste. Kleine Fischerdörfer mit bunten Holzhäusern, Klippen mit Papageitaucherkolonien und frei lebende Rentiere (das einzige Gebiet der ganzen Insel, in dem man sie beobachten kann). Seyðisfjörður, über einen spektakulären Bergpass erreichbar, ist ein Juwel norwegischer Architektur und unabhängiger Kunstszene.

Norden: Akureyri, Mývatn und Húsavík

  • Akureyri: die Hauptstadt des Nordens, mit überraschend mildem Mikroklima und lebendiger Kulturszene.
  • Goðafoss: der Wasserfall der Götter, an dem das Parlament im Jahr 1000 n. Chr. die Annahme des Christentums beschloss.
  • See Mývatn: einzigartiges Ökosystem mit Pseudokratern, Schwefelquellen, Lavafeldern (Dimmuborgir) und Tausenden Enten.
  • Dettifoss: Europas wasserreichster Wasserfall. Keine Geländer — nur die rohe Kraft der Natur.
  • Húsavík: die Welthauptstadt des Whale Watchings, mit zwischen Juni und August praktisch garantierten Sichtungen.

Westfjorde

Die Vestfjörðir sind Islands abgelegenste und am schwersten zugängliche Region. Die Klippen von Látrabjarg, die westlichsten Europas, beherbergen Millionen Seevögel. Dynjandi ist ein fächerförmiger Wasserfall, der 100 Meter frei fällt. Die Schotterstraßen erfordern einen 4×4 und ausreichend Zeit: Dies ist kein Ort für eng getaktete Routen.

Wann reisen: die vier Jahreszeiten

  • Sommer (Juni–August): Mitternachtssonne, alle Straßen zugänglich, Temperaturen 10–15°C. Hochsaison: Monate im Voraus buchen.
  • Frühling (April–Mai): weniger Andrang, 20–30 % niedrigere Preise, Nordlichter im April noch möglich, Flüsse voller Schmelzwasser.
  • Herbst (September–Oktober): Rückkehr der Nordlichter, außergewöhnliche Farben der Tundra, weniger Tourismus. Oft die beste Zeit für Ausgewogenheit.
  • Winter (November–März): wenige Stunden Tageslicht, einige Straßensperrungen, aber höchste Wahrscheinlichkeit für Nordlichter und das Land von seiner ursprünglichsten Seite.

Unterwegs in Island

Die Ring Road (Route 1) ist das Rückgrat einer Islandreise: 1.322 km umrunden die Insel und verbinden die wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Um sie entspannt zu bereisen, solltest du 7 bis 10 Tage einplanen. Fahre nicht mehr als 200–250 km pro Tag: Auf isländischen Straßen entspricht diese Distanz oft einem ganzen Tag.

  • F-roads (Hochland): 4×4 ist Pflicht, nur im Sommer geöffnet, einige führen durch Furten.
  • Abblendlicht immer eingeschaltet, auch tagsüber. Alkoholgrenze: null.
  • Schafe haben auf den Straßen absoluten Vorrang.
  • Prüfe jeden Morgen road.is für die Straßenbedingungen und vedur.is für die Wettervorhersage.

Sicherheit in der Natur

  • Drehe dem Ozean niemals den Rücken zu an schwarzen Sandstränden: Unerwartete Wellen schlagen ohne Vorwarnung zu.
  • Betritt kein Moos: Es braucht Jahrzehnte zum Wachsen und zählt zu den empfindlichsten Ökosystemen der Insel.
  • Beachte Sperrschilder, die oft auf instabilen Boden oder vulkanische Gefahren hinweisen.
  • Notrufnummer: 112 — sie gilt für alle Notfälle, einschließlich Bergrettung.
  • Registriere deine Route vor jeder Wanderung in abgelegenen Gebieten auf safetravel.is.

Kultur und Geschichte: das Erbe der Wikinger

Island wurde zwischen 874 und 930 n. Chr. von norwegischen und keltischen Siedlern besiedelt. 930 wurde in Þingvellir das Alþing gegründet: das erste demokratische Parlament der Geschichte. Die isländische Sprache ist dem Altnordischen außergewöhnlich treu geblieben — ein moderner Isländer kann mittelalterliche Sagas ohne Schwierigkeiten lesen. Die Isländersagas, geschrieben zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert, zählen zu den Meisterwerken der Weltliteratur. Leifur Eiríksson erreichte Nordamerika etwa 500 Jahre vor Kolumbus. Island hält weltweit den Rekord bei den pro Kopf veröffentlichten und gelesenen Büchern.

Isländische Küche: vom Meer auf den Tisch

  • Skyr: dickflüssiges, proteinreiches Milchprodukt und unverzichtbares Frühstück. Ähnlich wie griechischer Joghurt, aber mit weniger Fett.
  • Plokkfiskur: cremiger Fischeintopf aus Kabeljau oder Schellfisch, Kartoffeln und Zwiebeln. Das isländische Comfort Food schlechthin.
  • Pylsur: der isländische Hot Dog — mit rohen Zwiebeln, Röstzwiebeln, süßem Ketchup und süßem Senf. Ikonisch.
  • Isländisches Lamm: frei im Hochland und ohne künstliches Futter aufgezogen. Geschmacklich völlig anders als aus intensiver Tierhaltung.
  • Geothermische Becken: keine Touristenattraktion — hier treffen sich Isländer jeden Tag. Geh hin.

Kleidung: die Zwiebelregel

  1. 01Basis: atmungsaktives technisches Material
  2. 02Mitte: Thermofleece
  3. 03Außen: wasserdichte und winddichte Jacke — in jeder Jahreszeit unverzichtbar

Der isländische Wind macht aus 10°C etwas deutlich weniger Gastfreundliches. Nimm immer eine zusätzliche Jacke im Rucksack mit, selbst an Sommertagen, die stabil wirken.

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