Bárður Snæfellsás in Arnarstapi, die Saga von Snæfellsnes
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Bárður Snæfellsás in Arnarstapi, die Saga von Snæfellsnes

Die Saga von Bárður erzählt von einem Siedler, halb Mensch, halb Troll, der sich nach der Fehde mit Þorkell in den Snæfellsjökull zurückzieht. In Arnarstapi lebt die Erzählung in Ortsnamen, Klippen und einer modernen Statue fort.

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Ein Siedler an den Grenzen des Menschlichen

In Arnarstapi, an der zerklüfteten Küste von Snæfellsnes, ist Bárður Snæfellsás nicht bloß ein Name, der mit einer Klippe oder einer Statue verbunden ist. Er ist eine erzählerische Gestalt, die die Saga genau an den Punkt stellt, an dem die Besiedlung Islands das Übernatürliche berührt. Bárðr Dumbsson, so führt ihn der Text ein, stammt von Geschlechtern der Riesen und Trolle ab; er kommt nicht als rein menschlicher Held nach Island, sondern als Grenzwesen, stark, zwiespältig und kaum mit gewöhnlichen Kategorien zu erfassen.

Die Geschichte zeigt ihn zunächst als Siedler, dann als Vater und schließlich als Gegenwart der Landschaft. Als sein Familienleben zerbricht, macht die Erzählung aus ihm weder einen Heiligen noch ein Märchenmonster: Sie drängt ihn zum Gletscher, wo er zu einer Art lokaler Schutzmacht von Snæfellsnes wird. Mehr als alles andere verbindet gerade dieser Wandel seine Gestalt mit Arnarstapi und der Halbinsel.

Die Handlung der Saga

In der Bárðar saga Snæfellsáss kommt Bárðr an die Westküste, lässt sich in Laugarbrekka nieder und nimmt Land in einer Gegend, die der Text mit Namen, Familien und Konflikten bevölkert. Die Saga betont seine außergewöhnliche Stärke und seine nicht ganz menschliche Verwandtschaft; sie erzählt auch von seiner Fähigkeit, der Landschaft Gestalt zu geben, indem er Orte gründet oder umbenennt, als müsse die Landschaft erst noch von der Erinnerung an die erste Besiedlung erkannt und geordnet werden.

Der dramatische Knoten entsteht aus der Verflechtung der Familien von Bárðr und Þorkell Rauðfeldsson. Þorkells Söhne, Rauðfeldr und Sölvi, wachsen in Arnarstapi auf; Bárðrs Töchter in Laugarbrekka. Die jungen Leute begegnen sich auf dem Eis und am Ufer, doch das Spiel wird zur Kränkung, als Rauðfeldr Helga, Bárðrs Tochter, auf eine treibende Eisscholle stößt. Helga wird weit fortgetragen, bis nach Grönland, wo die Saga sie Eiríkr rauði und später Miðfjarðar-Skeggi begegnen lässt: eine Episode, die den Horizont der Erzählung unvermittelt von Island auf die nordatlantische Route erweitert.

Als Bárðr erfährt, was geschehen ist, reagiert er mit einer Rache, die die Saga nicht mildert. Er führt Rauðfeldr und Sölvi den Berg hinauf und tötet sie, indem er den Ersten in eine tiefe Spalte und den Zweiten von einer hohen Klippe stürzt. Davon leiten sich die Ortsnamen Rauðfeldsgjá und Sölvahamar ab, die zu den berühmtesten an der Küste von Snæfellsnes gehören. Kurz darauf gerät Bárðr mit Þorkell selbst aneinander, verwundet ihn schwer und verlässt dann, nachdem die Fehde beigelegt ist, die Gegend.

Die abschließende Handlung ist für die Vorstellungswelt des Ortes entscheidend: Bárðr zieht sich in den Snæfellsjökull zurück und wird von dort aus als Snjófellsás erinnert, die alte Namensform, die ihn als Beschützer der Region darstellt. Die Saga sagt es unmittelbar: Die Menschen auf der Landzunge hielten ihn für eine Art heitguð, eine Schutzmacht, die man in schwierigen Augenblicken anrief. Er ist keine Gottheit im klassischen Sinn, sondern eine Grenzpräsenz, die dem Berg, dem Eis und der örtlichen Erinnerung angehört.

Aus welcher Tradition die Geschichte stammt

Diese Geschichte sollte nicht als zeitloses, ohne Unterbrechung überliefertes Volksgut gelesen werden. Die Bárðar saga Snæfellsáss ist eine späte isländische Saga, wahrscheinlich im 14. Jahrhundert verfasst und in spätmittelalterlichen Fragmenten überliefert. Der Text gehört zur Familie der Íslendingasögur, erweitert deren Grenzen jedoch um legendäre und fantastische Elemente: einen Vater nichtmenschlicher Abstammung, übernatürliche Eingriffe, außergewöhnliche Reisen, Gestalten wie Rauðgrani und eine Reihe von Ortsnamen, die durch das erzählerische Handeln erklärt werden.

Daher ist die Saga weder mit einer historischen Chronik noch mit einer in der Neuzeit gesammelten Volkssage gleichzusetzen. Sie ist ein literarischer Text, der die Landschaft als erzählerisches Archiv nutzt. In ihrem zweiten Teil folgt sie auch Gestur, Bárðrs Sohn, und entfernt sich von Snæfellsnes: ein wichtiges Zeichen, denn es zeigt, dass das Werk keine bloße lokale Erzählung ist, sondern eine umfassendere Komposition aus verschiedenen Materialien.

Moderne Forschende lesen in dieser Saga eine Verflechtung von schriftgelehrter Tradition, Genealogien aus historischen Quellen und regionaler Erinnerung. Der Anteil mündlicher Überlieferung, sofern es ihn gibt, lässt sich nicht genau von der Arbeit des Autors trennen. Treffender ist es zu sagen, dass der Text das Gebiet erzählerisch ordnet und verwandelt, statt eine alte Momentaufnahme davon zu bewahren.

Eine in Namen erzählte Topografie

Der einprägsamste Teil der Saga für jene, die Snæfellsnes durch seine Landschaft lesen, ist ihre benannte Geografie. Es geht nicht nur um Arnarstapi: Der Text entwirft eine Karte aus Klippen, Anhöhen, Spalten und Buchten, die bis heute die kulturelle Lektüre der Halbinsel prägt. Helga zählt in einer Strophe Búrfell, Bala, Lóndrangar, Öndverðarnes, Heiðarkolla, Hreggnasi und Dritvík auf und schließt mit den Worten, all diese Namen gehörten zu Snæfellsnes.

Der Wert der Erzählung liegt hier nicht darin, die Landschaft im wissenschaftlichen Sinn zu „erklären“, sondern sie in die Erinnerung einzuschreiben. Einige Ortsnamen werden bereits im Text eindeutig als erzählerische behandelt, etwa Tröllakirkja und Dritvík; andere Zuordnungen sind umstrittener, und moderne Forschende deuten sie nicht alle auf dieselbe Weise. Ein Punkt bleibt jedoch bestehen: Die Saga spielt nicht allgemein in Island, sondern in einem genau bestimmten Küstenabschnitt, den sie mit Namen füllt, die dem Ort literarische Tiefe verleihen.

In diesem Sinn ist Arnarstapi nicht bloß eine Kulisse. Es ist einer der Angelpunkte der Geschichte, denn dort nimmt Bárðr Land, dort konzentriert sich die Fehde mit Þorkell, und dort werden die Bewegungen der Figuren zu Topografie. Die Klippe, die Basaltschluchten und die Küstenpfade „beweisen“ die Saga nicht; die Saga hat sie als Teil einer einzigen regionalen Erinnerung lesbar gemacht.

Arnarstapi heute, zwischen mittelalterlichem Text und modernem Denkmal

Wer heute nach Arnarstapi kommt, begegnet einer zweiten, viel jüngeren, inzwischen jedoch vom ersten untrennbaren Schicht: der großen Steinfigur von Bárður Snæfellsás, einem Werk von Ragnar Kjartansson, das 1985 eingeweiht wurde. Es handelt sich um ein zeitgenössisches Denkmal, das als Erinnerung an eine örtliche Familie entstand, nicht um ein mittelalterliches Überbleibsel. Gerade deshalb ist es wichtig, es von der Saga zu unterscheiden: Es belegt nicht das Alter der Erzählung, sondern zeigt, wie die Erzählung in der modernen öffentlichen Kultur neu belebt wurde.

Diese Überlagerung ist das interessanteste Merkmal des Ortes. Die Saga liefert die Erzählung, das Denkmal macht sie sichtbar, die Landschaft bewahrt sie. In Arnarstapi bleibt Bárður eine Schwellenfigur: zwischen Mensch und Troll, zwischen Siedlung und Felsspalte, zwischen mittelalterlicher Literatur und zeitgenössischer Erinnerung.

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Wo sie spielt

64.7672° N · 23.6217° W

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